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Reduktion von Wechseljahrsbeschwerden bei Brustkrebspatientinnen durch komplementärmedizinische Behandlung.

Uhlenbruck G.1, Beuth J.1, van Leendert R.2, Schneider B.3

1 Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Universität zu Köln, Joseph-Stelzmann-Str. 9, 50931 Köln.
2 Medical Data Research (MDR) - CRO, Düsseldorf
3 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Biometrie (Publikation in Vorbereitung)


Diese klinische Untersuchung wurde durchgeführt, um die Ausprägung von Wechseljahrsbeschwerden bei Brustkrebspatientinnen zu untersuchen, die sich einer Antihormontherapie (HT) unterzogen, die komplementärmedizinisch begleitet wurde.

Die Patientinnen (n=129) wurden in zertifizierten Brustzentren entsprechend der aktuellen S3 Leitlinie behandelt und erhielten für 8 Wochen komplementär zur HT eine Kombination aus Natrium-Selenit, proteolytischen Enzymen (Bromelain und Papain) und lektinhaltigem Extrakt aus Lens culinaris. In Prüfbögen wurde die Selbstbeurteilung von Wechseljahrsbeschwerden durch die HT (u.a. Gelenkbeschwerden, Schleimhauttrockenheit, Schlafstörungen, Fatigue sowie Haarausfall) anhand einer Punkteskala (Score) von 1 (keine Beschwerden) bis 6 (schwerste Beschwerden) dokumentiert. Die Evaluation der Beschwerden erfolgte vor sowie nach 8-wöchiger komplementärer Begleittherapie zur HT.
Die Ausprägung der Wechseljahrsbeschwerden (Mittelwerte des Scores) besserten sich bzgl. Gelenkbeschwerden von 4.2 (vor Therapie) auf 2.7 (nach 8-wöchiger Therapie), bzgl. Trockenheit der Vaginalschleimhaut von 3.7 auf 2.7 (nach 8-wöchiger Therapie), bzgl. Schlafstörungen von 3.8 auf 2.7 (nach 8-wöchiger Therapie), Fatigue von 3.8 auf 2.8 (nach 8-wöchiger Therapie) sowie Haarausfall von 2.2 auf 1.8 (nach 8-wöchiger Therapie). Die Minderung aller aufgeführten Wechseljahrsbeschwerden war statistisch signifikant (p<0.001).
Diese Untersuchung deutet darauf hin, dass therapieinduzierte Wechseljahrsbeschwerden bei Brustkrebspatientinnen durch eine komplementärmedizinische Behandlung mit einer Kombination aus Natrium-Selenit, proteolytischen Enzymen und lektinhaltigem Extrakt aus Lens culinaris signifikant reduziert werden können.


Durch Hormonblockade oder Hormonentzug (z.B. therapeutische HT oder altersbedingt in den Wechseljahren) werden Schleimhautaufbau und Schleimhautfunktionen beeinträchtigt (1). Die östrogengesteuerte Funktion und Regeneration der Schleimhäute wird gehemmt. Daraus resultieren Befindlichkeitsstörungen wie in den Wechseljahren, insbesondere trockene, entzündete Schleimhäute und Gelenkbeschwerden.

Brustkrebspatientinnen klagen unter HT über ähnliche Beschwerden wie Frauen in den Wechseljahren (2). Auf dieser Basis sollte eine hormonfreie, komplementärmedizinische Medikation zur Minderung von Wechseljahrs-beschwerden untersucht werden.

Komplementärmedizin wird weltweit von Patientinnen nachgefragt, um die Standardbehandlung zu optimieren und die Lebensqualität zu bewahren (3,4).

Die Amerikanische Krebsgesellschaft definiert Komplementärmedizin als Maßnahmen, die begleitend mit einer medizinischen Standardbehandlung durchgeführt werden (5). Wenn komplementäre Behandlungsmaßnahmen indikationsbezogen durchgeführt werden, können sie zur Reduktion von Nebenwirkungen der Standardtherapien sowie zur Verbesserung von Lebensqualität beitragen (3,4,5). Einige komplementärmedizinische Behandlungsverfahren sind bisher wissenschaftlich überprüft worden, wie z.B. Ernährung, Sport, Psychoonkologie (6). Definierte komplementärmedizinische Medikationen wie z.B. Natrium-Selenit und proteolytische Enzyme zeigten in klinischen Studien Vorteile, wie z.B. Reduktion von unerwünschten Nebenwirkungen der CT und ST und Verbesserung der Lebensqualität (7,8,9), während andere, z.B. lektinhaltiger Extrakt aus Lens culinaris, traditionelle Naturheilmittel sind, die die Schleimhautoberflächen stabilisieren (10).

Insbesondere Frauen in den Wechseljahren fragen nach komplementär-medizinischen Therapiemöglichkeiten zur Reduktion von Wechseljahrsbeschwerden. Der Therapiewunsch kann u.a. darin begründet sein, dass eine Hormontherapie abgelehnt wird oder aufgrund von Vorerkrankungen (z.B. hormonrezeptorpositive Krebserkrankungen) kontraindiziert ist.

Daher wäre es therapeutisch sinnvoll, Brustkrebspatientinnen unter HT und/oder Frauen in den Wechseljahren eine hormonfreie komplementärmedizinische Medikation empfehlen zu können, die die Lebensqualität beeinträchtigenden Wechseljahrsbeschwerden mindert.
Diese klinische Untersuchung wurde durchgeführt, um die Wertigkeit einer komplementärmedizinischen Behandlung mit Natrium-Selenit, proteolytischen Enzymen und lektinhaltigem Extrakt aus Lens culinaris zur Minderung von definierten Wechseljahrsbeschwerden bei Brustkrebspatientinnen unter HT zu untersuchen.

Patientinnen und Methoden

Patientinnen.

Patientinnen mit histologisch gesichertem Brustkrebs (n=129), die sich einer HT in Anlehnung an die aktuelle S3 Leitlinie unterzogen, wurden in diese klinische Untersuchung aufgenommen. Alle Patientinnen litten anamnestisch unter therapiebedingten Wechseljahrsbeschwerden.

Komplementärmedizinische Behandlung.

Die Patientinnen erhielten komplementär zur HT eine orale Medikation, die definierte Mengen Natrium-Selenit (300 µg/Tag), proteolytische Enzyme (Bromelain 2000 FIP-Einheiten/Tag und Papain 2000 FIP-Einheiten/Tag) und lektinhaltigen Extrakt aus Lens culinaris (20 mg/Tag) enthielt.

Es wurden Prüfbögen verwendet, um die selbstbeurteilte Wirksamkeit der komplementärmedizinischen Behandlung zu dokumentieren. Sie wurden konzipiert in Anlehnung an validierte EORTC Questionnaires und sollten indikationsbezogene Parameter bezüglich Wechseljahrsbeschwerden (z.B. Gelenkbeschwerden, Schleimhauttrockenheit, Schlafstörungen, Fatigue, Haarausfall) evaluieren. Die Patientinnen wurden routinemäßig vor Beginn sowie 8 Wochen nach Anwendung der komplementärmedizinischen Therapie befragt. Die Intensität der Beschwerden wurde anhand einer Punktebewertung auf einer Skala von 1 (keine Beschwerden) bis 6 (schwerste Beschwerden) quantifiziert. Angaben von Zwischenwerten waren möglich und wurden durch Addition von 0.5 zum kleineren Zwischenwert kodiert. Es wurden Mittelwerte der Scores für die Wechseljahrsbeschwerden berechnet, um den Stellenwert dieser komplementär-medizinischen Behandlung zu untersuchen.

Tabelle 1: Antihormonelle Therapien

  Hormonrezeptorblocker Aromatasehemmer Gesamt
 
Anzahl
%
Anzahl
%
Anzahl
%
keine GnRH Analoga
GnRH Analoga
Gesamt
57
14
71
80,3%
19,7%
55,0%
56
2
58
96,6%
3,4%
45,0%
113
16
129
87,6%
12,4%
100,0%

Die Unterschiede der Mittelwerte der Scores zwischen definierten Untersuchungszeiträumen (vor Beginn sowie 8-wöchiger komplementärmedizinischer Behandlung) wurden mit dem t-Test überprüft.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 129 Brustkrebspatientinnen in diese klinische Untersuchung aufgenommen. Das mittlere Alter der Patientinnen betrug 50.5 Jahre, die Häufigkeiten antihormoneller Therapeutika sowie UICC Stadien sind in Tabellen 1 und 2 aufgeführt. Alle Patientinnen litten zu Beginn der Untersuchung unter definierten Wechseljahrsbeschwerden.

Die Ausprägung der therapieinduzierten
Wechseljahrsbeschwerden vor und nach komplementärmedizinischer Verabreichung von Natrium-Selenit, proteolytischen Enzymen und lektinhaltigem Extrakt aus Lens culinaris
wurde mittels Selbstbeurteilung durch die
Patientinnen untersucht. Grafik 1 dokumentiert, dass die Ausprägung von Gelenkbeschwerden (4.2) und Schleimhauttrockenheit (3.7), Schlafstörungen (3.8), Fatigue (3.8) und Haarausfall (2.2) sich unter komplementärmedizinischer Behandlung nach 8 Wochen (Gelenkbeschwerden: 2.7; Schleimhauttrockenheit: 2.7; Schlafstörung: 2.8; Fatigue: 2.8; Haarausfall: 1.8) statistisch signifikant (p<0.001) bessert.
  Tabelle 2: UICC Stadien
UICC Stadium Anzahl %
Stadium 0
Stadium I
Stadium IIA
Stadium IIB
Stadium IIIA
Stadium IIIB
Stadium IV
Gesamt
3
43
39
25
12
3
4
129
2,3%
33,3%
30,2%
19,4%
9,3%
2,3%
3,1%
100,0%

Therapiebedürftige unerwünschte Nebenwirkungen der komplementärmedizinischen Medikation (Natrium-Selenit, proteolytische Enzyme und lektinhaltigem Extrakt aus Lens culinaris) wurden in dieser klinischen Untersuchung nicht festgestellt, obwohl eine Reihe relevanter Symptome routinemäßig überprüft wurde. Diese Daten bestätigen kontrollierte Studien zur Unbedenklichkeit von Natrium-Selenit und proteolytischen Enzymen.

Diskussion

Komplementärmedizin sollte in erster Linie als Optimierung von Standardtherapien betrachtet werden. Sie ist unbedingt zu unterscheiden von der „Alternativmedizin“, die behauptet, dass sie einen Ersatz für evidenzbasierte, erprobte Therapien darstellt. Auch wenn die Komplementärmedizin und die Alternativmedizin mit der beliebten Abkürzung „CAM“
(= Complementary and Alternative Medicine) zusammengefasst werden, sind sie in Bezug auf ihre Ziele grundverschieden. Da nahezu alle alternativen Verfahren unzureichend dokumentiert sind, könnte die Gleichsetzung der beiden Begriffe auch zu einer unangebrachten Ablehnung der Komplementärmedizin führen. Dass komplementärmedizinische Maßnahmen wie ausgewogene Ernährung, körperliche Aktivität, psychoonkologische Betreuung sowie definierte medikamentöse Anwendungen, z.B. proteolytische Enzyme oder einzelne Spurenelemente und/oder Vitamine, die Standardbehandlung optimieren und die Lebensqualität verbessern können, wurde in klinischen Studien nachgewiesen (3,6).

Diese klinische Untersuchung wurde durchgeführt, um eine innovative komplementärmedizinische Medikation zu untersuchen, die aus Natrium-Selenit, proteolytischen Enzymen und lektinhaltigem Extrakt aus Lens culinaris zusammengesetzt ist. Während die klinische Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Natrium-Selenit und proteolytischen Enzymen in kontrollierten Studien nachgewiesen wurde (6,8,9), wurde lektinhaltiger Extrakt aus Lens culinaris der Medikation wegen seiner stabilisierenden Wirkungen auf Schleimhäute hinzugefügt (10). Das wissenschaftliche Rationale dieser komplementärmedizinischen Behandlung lautet: Verbesserung der Verträglichkeit von HT durch Verringerung definierter Wechseljahrsbeschwerden (z.B. Gelenkbeschwerden, Schleimhauttrockenheit, Schlafstörungen, Fatigue, Haarausfall). Diese Untersuchung zeigte, dass die komplementäre Verabreichung von Natrium-Selenit, proteolytischen Enzymen und lektinhaltigem Extrakt aus Lens culinaris die Wechseljahrebeschwerden signifikant verbessert (p<0.001 nach 8-wöchiger Gabe). Die Verbesserung war Folge verminderter Gelenkbeschwerden, Schleimhauttrockenheit, Schlafstörungen, Fatigue und Haarausfall.
Da die Verträglichkeit der HT über deren optimale Verabreichung entscheidet, könnte die komplementärmedizinische Behandlung mit Natrium-Selenit, proteolytischen Enzymen und lektinhaltigem Extrakt aus Lens culinaris die Chancen für eine kurative Therapie dieser Erkrankung verbessern.


Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass die hormonfreie Kombination aus Natrium-Selenit, proteolytischen Enzymen und lektinhaltigem Extrakt aus Lens culinaris geeignet ist, Wechseljahrsbeschwerden zu mindern.


Literatur

1.   Kaelin CM:
Living through breast cancer.
Mc Graw Hill, New York, 2005.
  2.    Kreienberg R, Jonat W, Volm T, Moebus V, Alt D: Management des Mammakarzinoms.
Springer Verlag, Hamburg, 2006.

3.   Beuth J, Moss RW:
Complementary oncology. Adjunctive methods in treatment of cancer.
Thieme NY, 2005.
  4.   Unger C, Weis J:
Unkonventionelle und supportive Therapiestrategien.
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2006.

5.   American Cancer Society:
Guidelines for using complementary and alternative medicine.
2008, www.cancer.org
  6.   Beuth J, Schierholz JM:
Evidence-based complementary oncology. Inovative strategies to optimize standard therapy strategies.
In Vivo 21: 423-428, 2007.

7.   Beuth J, Ost B, Pakdaman A, et al.:
Impact of complementar enzyme application on the postoperative treatment results of breast cancer patients. Results of an epidemiological multicentre cohort study.
Cancer Chemother Pharmacol 47: 38-44, 2001.

  8.   Muecke R:
Sodium selenite in gynaecologic radiation therapy. Results of a prospective randomized observation study.
Trace Elem Electrolytes 23: 173-177, 2006.
9.   Bruns F, Buentzel J, Muecke R et al.:
Selenium in the treatment of head and neck lymphedema.Med Print Pract 13: 185-190, 2004.
  10.   Vecchi M, Torgano G, de Franchis S:
Evince of altered structural and secretori glycoconjugates in thejejunal mucosa of patients with gluten sensitive enteropathy and subtotal villus atrophy.
Gut 30: 804-810, 1989.

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